Rekkles, Bjergsen, Faker, Caps und Doublelift sind namenhafte Spieler in der League of Legends Szene, um nur eine Hand voll zu nennen. Sie haben das geschafft, wovon viele nur träumen können, denn sie haben Zocken zum Beruf gemacht. Sie spielen LoL für professionelle Teams und verdienen damit seit Jahren ihren Lebensunterhalt. Ein Wunschtraum für viele Jugendliche, zudem auch die Medien ihren Teil beitragen. Eine Illusion, denn über die Schattenseiten des Esportlerdaseins wird meist geschwiegen.

League of Legends ist eine der größten Disziplinen im Esport, längst gibt es sogar einen fürstlichen "Mindestlohn" für die Profis der oberen Ligen. Aber nicht jeder Esport-Titel hat die Ressourcen, ihre Profis so gut zu unterstützen. Ganz davon abgesehen, dass nur die allerbesten davon profitieren können. Durchstöbert man die Foren der Games, festigt sich der Eindruck, dass dort überwiegend Profis unterwegs wären. Doch ein Blick auf die Rangliste genügt, um zu sehen, dass nur die allerwenigsten tatsächlich so gut sind, um annähernd an Profis heranzukommen. Und die, die als Profi auch noch gut davon Leben können, sind weniger als die besten 0,01%.

Social Media, Twitch.tv und die klassischen Medien verzerren oft das Bild der Profis, denn man sieht nur die, die sich schon etabliert haben, aber nicht die vielen, vielen, die es versucht, aber nicht geschafft haben. Amateure geben oft eine solide Basis in ihrem Leben auf, um ihren großen Traum zu verfolgen. Platzt dieser dann, stehen sie oft vor dem Nichts und dann heißt es, mit dem normalen Leben weiterzumachen.

Die alltägliche Einöde

Aber mal angenommen, man ist tatsächlich eines dieser Ausnahmetalente, die den entscheidenden Schritt geschafft haben. Solides Team, wenn man Glück hat auch ein solides Einkommen. Zocken ist jetzt keine Freizeitbeschäftigung mehr, sondern harte Arbeit. Und das nicht zu knapp: Oft spielen die Profis zwölf Stunden pro Tag, ob man gerade Lust hat, oder nicht. Das schadet nicht nur der Physis, sondern auch der Psyche (wenn man nicht entgegensteuert). Tagein, tagaus dasselbe Spiel, jede Woche, jeden Monat. Das ist so monoton wie es klingt, denn viel Zeit für Freizeit bleibt dabei nicht. Klar, mittlerweile achten die großen Teams sehr auf die Gesundheit ihrer Spieler, aber die Regel für die Mehrheit der Profis ist das noch lange nicht. Die Spieler wohnen meistens im Gaminghouse, wo das ganze Team beisammen ist. Oft sind sie nur an Weihnachten und einigen wenigen Ausnahmen bei ihren Familien, vor allem dann, wenn sie in einem ganz anderen Land spielen.

Ständiger Überlebenskampf

Das Umfeld eines Esportlers ändert sich rapide. Die Spieler haben oft nur kurze Verträge, so kommt es vor, dass Teammitglieder nach einem Jahr oder weniger wieder ersetzt werden, gerade wenn die Leistung nicht stimmt. Die Entwickler der Esporttitel patchen regelmäßig ihre Spiele, sodass sich die Spieler immer wieder anpassen müssen. Das ist alles andere als ein Spaß für die Teams, hier geht es immerhin um Preisgelder und schließlich die Existenz des ganzen Brands. Denn Esportteams leben von ihren Sponsoren und stehen daher stark bei Social Media in der Öffentlichtkeit. Diesem Druck der Öffentlichtkeit ist nicht jeder Spieler gewachsen. Jeder Nutzer kann bei YouTube, Twitter und Co einfach seine Meinung zu den Leistungen der Spieler kundtun, und dabei geht es oft nicht gerade zimperlich zu. Bleibt der Erfolg aus, sind schnell die Karrieren von einzelnen Spielern vorzeitig beendet und man hört nichts mehr von ihnen.

Abhängigkeit vom Publisher

Während es zum Beispiel beim Fußball eine große Verbandsstruktur gibt, trägt beim Esport meistens der Publisher die großen Turniere selbst aus. Das hat in jüngster Vergangenheit dazu geführt, dass die Profis vom Moba Heroes of the Storm schlicht und ergreifend ihren Job los waren. Nachdem der erwartete Hype um das Blizzard Moba ausblieb, fuhr der amerikanische Konzern den Support für das Game zurück. Auch ihr eigens eingeführtes Profiligasystem wurde eingestampft. Plötzlich mussten die Profis sich einen anderen Weg suchen, weiter Geld zu verdienen. Viele von ihnen gingen zu League of Legends über, was aber auch nicht sofort an Erfolg geknüpft ist. Im Endeffekt sind Esportler der Willkür des Publishers ausgesetzt. Dieser entscheidet alleine, wie die Spielregeln sind, wer sanktioniert wird,  wie die Patches aussehen, oder eben ob der Wettbewerb überhaupt noch stattfindet. Das macht den Esport natürlich total fragil.

Nach der Karriere ist es oft schwierig, wieder ins normale Leben wieder zurückzufinden. Viele versuchen dann noch mit Streamen ihr Geld zu verdienen, als Gamecaster, oder hinter den Kulissen eines Teams zu arbeiten. Auch wenn der Eindruck ensteht, dass Esportler ein erstrebenswerter Beruf ist, sollte man immer bedenken, wie wenige es tatsächlich schaffen und ob man tatsächlich eine 70-80-Stunden-Woche haben möchte, in der es nicht viel gibt, außer dem Game.