Der Xbox Controller der Extraklasse geht in die zweite Runde. Ein halbes Jahr nach Release sind anfängliche Kinderkrankheiten immer noch nicht beseitigt. Wie schlimm steht es um den Controller schlechthin?

Der Xbox Elite Series 2 Controller soll das beste Gamepad sein, das es jemals gab. Microsoft brüstet sich damit, die zweite Version des Elite Controllers von Grund auf neu gestaltet zu haben. Wie gut ist der Controller wirklich?

In einer hübschen Verpackung kommt der Controller der Zukunft an, das soll uns aber nicht weiter beeindrucken. Hier geht es um Funktionen und Leistung. Los geht es mit dem Inhalt.

Travel Case

Der Controller kann entweder direkt mit dem beiliegenden USB-C Kabel geladen werden, oder im Travel Case auf die Ladestation gelegt werden. Die Ladestation ist magnetisch in dem Case fixiert, sie lässt dadurch auch herausnehmen, möchte man den Controller beim Laden zur Schau stellen.

Laut Herstellerangaben hält der Akku des Controllers bis zu 40 Stunden, so lange getestet habe ich ihn allerdings nicht, da er schon vor der ersten Aufladung wieder Retour ging (dazu mehr weiter unten).

Wechselbare Sticks

Im Travel Case befinden sich vier zusätzliche Thumb Sticks und das gewöhnliche Steuerkreuz. Genauso wie die Paddles hinten werden die Sticks nur durch Magneten gehalten und sind dadurch sehr leicht und ohne Werkzeug zu wechseln. Trotz dieses Systems haben die Sticks und Paddles festen Halt und sind zuverlässig an ihrem Platz.

Wechselbare Sticks und Steuerkreuz für den Xbox Elite Series 2 Wireless Controller
Vier zusätzliche Sticks in verschiedenen Ausführungen und das Standard-Steuerkreuz.

Trigger Lock und Paddles

Auf der Rückseite des Controllers befinden sich die Schalter zum Einstellen der Hair Trigger Locks. Mit drei Schaltzuständen der Drucktiefe kann hier ein zusätzlicher Schaltzustand im Vergleich zum Vorgängermodell Series 1 eingestellt werden.

Die Paddles darunter lassen sich beliebig untereinander vertauschen, da sie nur eingehängt sind und durch Magneten gehalten werden.

Rückseite des Xbox Elite Series 2 Wireless Controller
Rückseite des Xbox Elite Series 2 Controllers. Mittig sitzen die Anschlüsse der Ladestation.

Verbinden mit Windows

Die Einrichtung am Windows PC gestaltet sich unkompliziert. Der Controller kann entweder via Kabel (USB-C), Bluetooth, oder Xbox Wireless mit dem Wireless Adapter für Windows verbunden werden - der ist aber nicht im Lieferumfang enthalten! Rechne also mit ≈200€ Gesamtkosten.

Eine Anleitung, wie du den Treiber für den Wireless Adapter installierst, findest du hier. Nachdem dieser Treiber installiert ist, kann der Controller schon in den Werkseinstellungen genutzt werden.

Konfigurieren der Tasten

Um den Controller zu konfigurieren und auf den neuesten Stand der Software zu bringen, wird die App Xbox Zubehör im Microsoft Store benötigt. Halb so wild, denn auch wenn Microsoft den Anschein gibt, als ob eine Anmeldung mit dem Microsoft Konto zwingend erforderlich ist, kann auch ohne Anmeldung das Programm heruntergeladen und installiert werden.

Anders sieht es aus, wenn die Tastenbelegungen und Einstellungen zur Sensitivität tatsächlich angepasst werden sollen: Bevor man überhaupt in das Menü zum Erstellen eines neuen Controllerprofils kommt, muss man sich zwingend mit einem Microsoft Konto anmelden. Ohne Anmeldung ist also die vollständige Nutzung des Controllers überhaupt nicht möglich. Klarer Minuspunkt für den Kauf dieses Produkts.

Keine Makros

Mit Xbox Zubehör lässt sich nun die Tastenbelegung für jede Taste individuell anpassen. Die Paddles P1-P4 auf der Rückseite des Controllers sind entgegen meiner Erwartungen keine zusätzlichen Tasten. Im Standardprofil sind sie nur eine weitere Möglichkeit die Tasten A/B/X/Y auszulösen. Der Vorteil dieser Doppelbelegung ist, dass man in hektischen Spielsituationen eine höhere Reaktionsgeschwindigkeit hat, da man ohne großartige Verrenkungen diese Tasten trotzdem bedienen kann.

Verwendest du den Controller auf einem Windows PC (hier habe ich den Controller ausschließlich getestet), ist es trotzdem nur möglich, diesen Paddles Tasten zuzuweisen, die sich sowieso schon auf dem Controller befinden. Zusätzliche Tasten, oder gar Makros einzustellen, ist nicht möglich.

Ist dieser Controller also deshalb interessant für dich, weil er augenscheinlich über vier zusätzliche Tasten verfügt, muss ich dich leider enttäuschen. Die Paddles auf der Rückseite haben keine zusätzliche Funktion.

Probleme

Leider hat auch mein Controller Mängel, weswegen er wieder Retour zum Händler ging. Wie auch bei vielen anderen ist mein Controller von unverzeihlichen Hardwarefehlern geplagt, was bei dieser Preisklasse für einen Controller absolut nicht hinnehmbar ist.

Bei meinem Xbox Elite Series 2 Controller löst die P1 Taste (Paddle oben rechts) häufig nicht aus. Während die anderen Paddels einwandfrei funktionieren und bei Betätigung einen Klick-Sound von sich geben, erhält man beim P1 Paddle in der Regel kein akustisches Feedback.

Getestet habe ich den Controller im Rennspiel F1 2019. Dort habe ich die Gangschaltung auf die Tasten P1 und P3 gelegt, wo es beim Schalten immer wieder zu Frust kam, da der Controller den Input des P1 Paddles nicht wahrgenommen hat.

Weiter hat mich verwundert, dass mein Controller beim Hinlegen über zwei Ecken kippelt. Das schränkt mich zwar in der Nutzung nicht ein, dennoch ist es etwas verwunderlich, dass bei einem so hochpreisigen Gerät solche Fehler in Umlauf kommen. Im Internet habe ich niemanden gefunden, der genau diesen Formfehler beschreibt. Mein alter Controller (Xbox 360, kabelgebunden) weist jedenfalls dieses Phänomen nicht auf.

Fazit

Wer den Xbox Elite Series 2 langfristig nutzt, ohne ernsthafte Mängel festzustellen, der hat hier das große Los gezogen. Bei einem Produkt das nicht einmal zur Serienreife taugt sollte man als Hersteller normalerweise von einem Preis wie 180€ absehen.

Features wie eigene Makros einzustellen, sucht man bei Microsoft's Versuch an ihrem nächsten Scuf-Controller vergeblich. Selbst, wenn das alleine durch ein Softwareupdate der Microsoft Zubehör App möglich wäre, sieht Microsoft hier keinen Handlungsbedarf.

Der Anmeldezwang bei der Konfiguration des Controllers gibt dem ganzen noch das i-Tüpfelchen. Leider konnte sich Microsoft trotzdem vor Bestellungen kaum retten (geschuldet durch verschiedene Hype-Trailer, gekaufte Reviews und das mangelhafte Vorgängermodell). Dadurch wird Microsoft nie das Feedback erhalten, dass sie sich für den Xbox Elite Series 2 verdient hätten.

Ich persönlich kann nur vom Kauf dieses Controllers abraten.