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Wie der Esports League of Legends zerstört

Eigentlich eine schöne Idee: Eingefleischte "Profis" zeigen uns mal, wie man richtig spielt, was es heißt, einem Team anzugehören und zusammen für die eine Sache zu ringen, den Sieg. Kaum zu sprechen von dem Besten an der ganzen Sache, dass wir alle herzlich eingeladen sind live dabei zu sein.

Ob im Studio vor Ort, via Livestream auf Twitch, YouTube oder sonstigen Anbietern, Esports von League of Legends ist omnipräsent. Marketingtechnisch ein genialer Schachzug. Nicht nur wird dem Casual-Player einmal vor Augen geführt, wie schön es sein könnte, wenn endlich alle seine Teammates an einem Strang ziehen würden, sondern zu allem Überfluss wird das meistgespielte Spiel aller Zeiten auch noch von vorne bis hinten promoted. Und zwar so, dass auch der letzte schließlich kapiert, dass hier etwas ganz großes am laufen ist. Riot Games, der Entwickler von LoL hat das geschafft, was andere Entwickler von Anfang an verpennt haben.

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Promotion von LoL

Denn wie kann man ein Spiel besser präsentieren als mit dem Konzept, es auf ein ganz neues Level zu heben mit zunehmender Professionalisierung, eigener Liga, eigener Show, eigenen Stadien. Und du bist live dabei. Dir bietet sich die Möglichkeit eine Alternative zu Fernsehen und Netflix zu konsumieren. Wöchentliche Ligaspiele aus allen Regionen der Welt, große Veranstalter kommen hinzu mit unabhängigen, internationalen Turnieren.
Am Ende einer Esports-Saison folgt dann der krönende Abschluss. Der Punkt an den alle Teams jeder Region hingearbeitet haben. Die Worlds. Hier treten die besten Teams jeder Region gegeneinander an um zu zeigen, warum sie zu den besten der Welt gehören. Ein Spektakel für alle anwesenden Parteien. Abgesehen davon, dass es Jahr für Jahr eigentlich nur aufs neue darum geht, wie weit die westlichen Teams kommen, bevor sie von den asiatischen Teams wieder auf den Boden der Tatsachen befördert werden. Aber ansonsten eine super Sache, könnte man meinen.

Mehr als ein Spiel

Millionen Zuschauer jedes Jahr ermöglichen eine immer ausgeklügeltere Show um die Spiele herum, um das offensichtliche noch besser zu präsentieren: League of Legends. Mittlerweile eine Weltmarke, lange geht es nicht mehr darum, das überleben der Firma zu sichern. Vielmehr aber geht es darum, in verschiedenste Lebensbereiche vorzudringen, einen Lifestyle zu vermitteln, und Grundlage dafür sind nun mal die Livestreams. Sie sind das Hauptmedium mit dem League of Legends mit den Usern also mit den "Fans" kommuniziert. Und hier liegt auch schon das Problem. Was sich auf dem Schlachtfeld an den Spieltagen der Profis abspielt, wirkt sich unmittelbar auf das Spiel eines jeden einzelnen aus.

Balancing zu vieler Champions

massive Änderungen grundlegender Spielmechaniken

Jetzt geht es etwas tiefer in die Materie. Vorab ist es wichtig zu wissen, dass es mittlerweile über 130 verschiedene Champions in League of Legends gibt. Dass eine solche Zahl das Balancing in einem so kompetetiven Spiel nicht gerade erleichtert, sollte sich von selbst erklären. Dadurch ist es praktisch gang und gäbe, dass es gerade im professionellen Bereich von League of Legends nur eine Hand voll Champions gibt, die auf höchstem Level aufgeführt werden, da manche Champions aus der Masse einfach herausstechen.
Durch Riots völlig absurde Patch Philosophie, die versucht endlos neuen Kontent zu liefern und das Spiel durch ständige, teils massive Änderungen grundlegender Spielmechaniken "interessant zu halten", wird es selbst manchmal für Profis schwierig, dem sich ständig änderndem Umfeld stand zu halten. So ist es in der Vergangenheit schon oft passiert, dass einige Champions, die ein Fundament im "Championpool" einer Rolle gelegt haben, also Meta waren, so verändert wurden, dass sie im Profibereich komplett von der Bildfläche verschwanden und durch nächstbessere ersetzt wurden.

Folgen für die Spieler

Leidtragenden sind diejenigen, die League of Legends zum Spaß spielen

Mit fatalen Folgen für den Casual Bereich in League of Legends. Dadurch, dass die breite Masse durch die ständige Konfrontation mit dem Esports sich mit Profibereich fast auseinandersetzen muss, färbt der Spielstil und die gewählten Champions stark auf die Community ab. Leidtragenden sind diejenigen, die League of Legends zum Spaß spielen, für die aber der normale Spielmodus nicht infrage kommt, da dieser absolut keinen ernst zu nehmenden Wettkampf bietet. Der Modus auf den das schon eher zutrifft ist Rangliste. Schon in den untersten Ligen sind allerdings Champions eher ungern gesehen, die nicht der aktuellen Meta entsprechen. Auch wenn es vor dem Spiel nicht absehbar ist, wie gut ein Spieler mit einem gewissen Champion umgehen kann, bringen Champions die zur Zeit sich im Durchschnitt als nicht so stark erweisen einen eher negativ behafteten Charakter mit ins Spiel.
Da aber nicht jeder Spieler bereit ist, sich dem unendlichen Ideenreichtum von Riot jeden Monat aufs neue zu beugen, kommt es bei nicht so populären "Picks" oft zu Auseinandersetzungen im Team. Die Mitstreiter glauben, natürlich unberechtigter Weise, dass nicht alles erdenkliche getan wird, um das bevorstehende Spiel zu gewinnen. Und der Ursprung dieses Übels ist einzig und allein die erzwungene, übertriebene Integrität des Esports in den Alltag des armen, unschuldigen Casual-Nicht-Profi-Spielers.

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