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Anerkennung in der Gesellschaft

Trotz des steigenden Bekanntheitsgrades des Esports, erhält dieser nur wenig Zuspruch. Er gilt oft nur als ein Nebenprodukt der Gaming-Industrie und wird als solches nur belächelt. Es gibt mittlerweile aber auch einige Positivbeispiele durch bekannte Vereine, die ebenfalls eine Esport Abteilung aufstellen, wie zum Beispiel den durch Fußball bekannten FC Schalke 04. Durch das Engagement professioneller Vereine in diesem Bereich wird das Image des Esport verbessert und die Professionalität des Esports verdeutlicht.


Der Esport ist eben nicht mehr wie früher, mit kleinen Offline-Turnieren vor nerdigen Audienzen. Vielmehr ist er wie jeder andere Sport auch. Zuschauer aller Altersgruppen - wenn auch junge Menschen nach wie vor überwiegen - treffen sich zu riesigen Sport-Events um ihr Team anzufeuern. Die Spieler der Teams sind auch keine Kellerkinder, die mal wieder dringend unter die Sonne müssten, sondern oft internationale Superstars. Hinter ihnen stehen ganze Organisationen mit Coaching-Staff und Analysten, Ärzten und Physiotherapeuten.

Ist Esports Sport?

Und trotz alledem sehen sich Spieler und auch Fans immer wieder damit konfrontiert, dass der innerste Kern des ganzen angezweifelt wird. Denn das wohl umstrittenste am Esport ist der Name selbst. Immerhin sei es ja kein Sport, dazusitzen und Games zu zocken. Körperliche und geistige Ertüchtigung seien eben die Hauptmerkmale, die einen Sport zu Sport machten. Viele stehen dem neuen Trend noch skeptisch gegenüber. So äußerte sich Geschäftsführer Watzke von Borussia Dortmund sehr eindeutig zu der neuen Esports-Abteilung von Schalke 04:

„Das ist vielleicht modern. Ich finde das komplett scheiße. Es hat sich in der Vergangenheit bewährt, dass wir nicht alles das machen, was der FC Schalke 04 macht.“

Unterstützung durch die Wissenschaft

Schnell wird klar, dass die Begeisterung sich gerade bei der älteren Bevölkerung, stark in Grenzen hält. Daher versucht man zu beweisen, unterstützt durch wissenschaftliche Erkenntnisse, dass auch der Esports als Sport zählt. In einem Artikel des Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) wird erklärt, dass der Cortisolspiegel (ein Stresshormon) eines Profis während des Spielens etwa genauso hoch ist, wie der eines Rennradfahrers. Die Herzfrequenz ist mit 160-180 Schlägen pro Minute zu Spitzenzeiten fast so hoch wie die eines Marathonläufers. Auch die hohen Ansprüche an feinmotorischen Fähigkeiten der Spieler sind vergleichbar mit anderen Sportarten. Diese Fakten sollen stützen, dass der Esport sehr wohl körperliche Anstrengung ist und damit als Sport gewertet werden kann.

Vorteile als anerkannter Sport

Natürlich geht es hierbei nicht nur um gesellschaftliche Wertschätzung und Akzeptanz. Wie immer spielt auch Geld eine große Rolle. In Deutschland beispielsweise werden Sportvereine vom Staat gefördert und unterstützt. Mitglieder des DOSB (Deutscher Olympscher Sportbund) erhalten Steuererleichterungen und Fördergelder, außerdem wird ehrenamtliche Arbeit in Vereinen offiziell anerkannt. Dadurch sind Vereine weniger von Sponsoren abhängig, können Verbandsstrukturen aufbauen und ehrenamtliche Arbeiter durch Festanstellungen unterstützen. Als anerkannter Sport würde auch der Esport diese Vorteile genießen.

Seit 2005 benötigen EU-Bürger keine Visa mehr, um in einen Mitgliedsstaat der Europäischen Union einzureisen. Möchte allerdings ein Nicht-EU-Bürger zwecks Arbeit oder Studium in die EU reisen, braucht dieser ein gültiges Visum. Um internationale Sportveranstaltungen und Turniere leichter zu ermöglichen, gibt es spezielle Visa für "kulturelle, wissenschaftliche oder künstlerische Reisezwecke". Davon können die Profisportler profitieren.

Der dreifache Weltmeister SK Telecom T1 in League of Legends

Anders aber Esportler: Sie nehmen zwar an internationalen Turnieren teil, jedoch im Rahmen einer nicht anerkannten Sportart, was das ganze erheblich erschwert. Zwar kann ein kurzzeitiges Visum beantragt werden, um aber längerfristig teilnehmen zu können, muss bewiesen werden, dass der jeweilige Spieler dort einen anerkannten Beruf ausübt. Dazu zählt der Esport bislang nicht. Diese Problematik führte in der Vergangenheit zu großen Schwierigkeiten bei den Teams. So mussten Spieler wieder das Land des Austragungsortes verlassen, weil die Turnierdauer über die Aufenthaltsgenehmigung hinausging. Dabei sind diese Spieler so essentiell wichtig für die Organisationen, da sie oft wenig bis gar nicht ersetzt werden können. Der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware kündigt Mitte 2016 an, sich stärker für den Esports einzusetzen und gründet eine neue Vereinigung, den eSports.BIU. Diese zählt gleich zu Beginn dreizehn Mitglieder, darunter Microsoft, Sony, Nintendo, ActivisionBlizzard, Electronic Arts, Ubisoft und viele weitere. Aber auch große Veranstalter wie die ESL und Freaks 4U Gaming gehören der Vereinigung an.

Dem eSports gehört die Zukunft, weltweit wächst keine Sportart so rasant.

Dr. Maximilian Schenk, Geschäftsführer BIU

Esports als Sport ist keine Weltneuheit

Was in Deutschland noch zum Wunschdenken zählt, ist in anderen Ländern bereits längst Alltag. In Südkorea läuft der Esport traditionellen Sportarten wie Fußball oder Handball schon lange den Rang ab. Hier ist das professionelle Spielen am Computer sowohl als Sport als auch kulturell vollkommen anerkannt. Im Fernsehen gibt es dort, anstatt dem Tatort im Ersten, die aktuellsten Major Tournaments der Esport-Szene gezeigt. Hunderttausende Arbeitsplätze schafft der Esport in Südkorea. Das erste europäische Land, das den Esport offiziell anerkannte, war Bulgarien. Weitere sollten folgen: Niederlande, Schweden, Großbritannien und Frankreich. Außerhalb Europas gibt es noch Beispiele wie die USA, Brasilien, Russland oder China. Man sieht also, dass die Welt gerade am Anfang eines Trends ist, bei dem aber nicht zu langsam gehandelt werden darf, da der Esport und das damit verbundene Medium Internet ein wahnsinnig schnell wachsendes Umfeld mit sich bringt.