Der Müll in den Meeren wird immer mehr zu einer untragbaren Belastung für das Ökosystem unserer Erde. Pro Jahr kommen etwa 30 Millionen Tonnen Kunststoff hinzu. Fische, Vögel und Meeressäuger nehmen dieses Plastik über die Nahrung auf, oder verletzen sich damit und verenden schließlich daran. Ein jährlicher Schaden von 13 Milliarden Dollar entsteht für die Weltwirtschaft. Der mittlerweile 22-Jährige Niederländer Boyan Slat durfte das Ausmaß dieser Problematik hautnah miterleben: Als Gymnasiast verbrachte er einige Zeit seiner Ferien in Griechenland. Er war entsetzt, wie viel Plastikmüll er bei seinen Tauchgängen im Wasser fand. Anschließend verbrachte er viel Zeit damit, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen, um eine umweltschonende und effiziente Methode zu finden der Verschmutzung der Weltmeere entgegenzuwirken. Mittlerweile ist er Gründer des Unternehmens The Ocean Cleanup, das durch raffinierte Technik den Plastikmüll in den Meeren in nur zehn Jahren halbieren will.

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Vogel inmitten von angespültem Plastik. Photo credits: Matthew Chauvin

Wie kommt das Plastik in das Meer?

Drei Viertel des Mülls im Meer besteht aus Plastik. Um dem Problem entgegenzuwirken muss natürlich zuerst herausgefunden werden, woher der Plastikmüll überhaupt kommt. Viele Kosmetikprodukte, wie zum Beispiel Zahnpasta, Duschgel oder Cremes enhalten kleinste Plastikteilchen, sogenanntes Mikroplastik. Da es winzig ist, sind Kläranlagen nicht in der Lage dieses zu filtern und so gelangt es über das Abwasser in unserem Wasserkreislauf und schließlich im Meer. Über die Waschmaschine gelangt auch einiges an Plastik in den Ozean. Laut einer Grafik des WWF verlieren „Fleecepullis und andere Kunstfasertextilien bei jedem Waschgang etwa 2000 winzige Fasern. Die sind so klein, dass sie weder im Sieb der Waschmaschine noch in Kläranlagen hängen bleiben, sondern ungehindert ins Meer gelangen." Obwohl die Müllentsorgung auf dem Meer veboten ist, kommt es vor, dass Schiffe ihren Müll auf See abladen. Dazu kommt noch, dass diese auch immer wieder Ladungen oder Container verlieren. Viel Plastikmüll wird auch von der Fischerei produziert, die alte Fischernetze rücksichtslos im Meer entsorgt.

Karte über die jährliche Plastikverschmutzung, weltweit
Diese Karte zeigt, wo auf der Welt der ganze Plastikmüll ins Meer gelangt. Photo credits: The Ocean Cleanup

Gerade in Entwicklungsländern wird besonders viel Müll produziert, der anschließend in Flüssen oder im Meer landet. Besonders touristisch erschlossene Gebiete sind große Produzenten von Müll im Ozean. Nur der kleinste Teil des Plastiks ist an der Oberfläche sichtbar. Mehr als 70 Prozent des Plastikmülls sinkt auf den Meeresboden. Der Rest wird entweder an Strände geschwemmt oder treibt bis heute im Meer. Mit der Zeit zersetzt sich das Plastik in immer kleinere Teile, was das Aufsammeln unmöglich macht. Deshalb ist es wichtig, so viel Plastik wie möglich einzusammeln, bevor es sich zu Mikroplastik zersetzt. Tiere, die jahrelang Plastik aufgenommen haben, landen am Ende bei uns Menschen auf dem Teller, dabei ist es noch kaum erforscht, welche Folgen das Plastik auf unseren Körper haben kann.

Boyan Slat

Foto von Boyan Slat
Boyan Slat bei einem Vortrag am The Next Phase Event. Photo credits: The Ocean Cleanup

Während der Highschool interessierte er sich nach seinen erschreckenden Entdeckungen im Meer redlich dafür, die Weltmeere vom Plastikmüll zu befreien. Innerhalb seines Studiums an der Universität Delft in den Niederlanden entwickelte er folgende Idee: V-förmige, schwimmende Barrieren, die die natürlichen Meeresströmungen nutzen um den treibenden Plastikmüll auf einer Stelle zu konzentrieren. So könnte er später leicht aufgesammelt werden und zum Beispiel recycelt oder zu Rohöl verarbeitet werden. Auf der Forschungsplattform TEDx Talk präsentierte er erstmals seine Idee, die sofort viral geht. Durch Crowdfunding, sowie einem Team aus freiwilligen Wissenschaftlern und Ingenieuren, das sich dem jungen Niederländer anschloss, konnte endlich damit begonnen werden, der Idee Taten folgen zu lassen. Im Jahr 2013 folgte dann die offizielle Gründung von The Ocean Cleanup.

Die Technik

Die natürlichen Meeresströmungen treiben den Plastikmüll in die Wirbel der Ozeane. Hier will Boyan Slat seine Barrieren aufstellen, die diese Strömungen nutzen um den Müll zu konzentrieren.

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Dieses Computer Rendering soll darstellen, wie die schwimmenden Barrieren im Meer in Zukunft aussehen sollen.
Photo credits: Erwin Zwart / The Ocean Cleanup

Die Barrieren werden so aufgestellt, dass die Strömung den Plastikmüll genau in die Fangarme der Barrieren treibt. Durch die V-förmige Konstruktion treibt die Strömung den Plastikmüll genau in die Mitte. Das gewonnene Plastik wird mit einem Förderband in einen Container transportiert, der regelmäßig ausgeleert wird. So kann das Plastik zur weiteren Verarbeitung verschifft werden.

Prototyp der Barriere mit Vorhang
Prototyp der Barriere mit Vorhang. Photo credits: The Ocean Cleanup

Die Barriere hat einen „Vorhang“. Diese sorgt dafür, dass der Plastikmüll nicht entwischt und hat im Gegensatz zu einem herkömmlichen Netz den Vorteil, dass Lebewesen unten hindurchströmen können, ohne sich an der Barriere zu verletzen.

The Ocean Cleanup

Das Unternehmen, das mitterweile über 50 Mitarbeiter zählt, hat für 2017 vor, eine 100 Meter lange Barriere in der Nordsee zu platzieren. Durch das raue Wetter der Nordsee ist dies ein optimaler Test für die Standhaftigkeit der Barrieren. Glückt dieser Versuch mit dem ersten Prototypen, soll 2020 die erste große Barriere im Nordpazifik installiert werden. Falls alles klappt, sollen in allen stark verschmutzten Strömungswirbeln der Meere bis zu 25 solcher Anlagen aufgestellt werden, diese mit einer Länge von 1000 Kilometern. Der Preis einer solcher Anlage soll ungefähr 250 Millionen Euro betragen. 25 Stück würden dann folglich über sechs Milliarden Euro kosten – laut Boyan Slat aber immer noch weniger als der durch den Müll verursachte Schaden.