Gestern war es soweit: Auch wir hielten das Paket vom Händler unseres Vertrauens in der Hand. Darin waren ein Asus Prime B350M-A Mainboard und der brandneue AMD Ryzen 1700-Prozessor!

RYZEN 1700 Boxed Prozessor und Asus-Mainboard AMD Ryzen 1700 Boxed-Prozessor und das ASUS Prime B350M-A-Mainboard

Speicherprobleme

Vorab sei gesagt: Verwendet werden sollten ursprünglich die Ballistix 2x16GB DDR4-2400 ("BLS16G4D240FSC"). Trotz BIOS-Update auf die momentan verfügbare Version 0502 sind diese Speicher noch nicht kompatibel und führen innerhalb kürzester Zeit zu einem Systemfreeze. Fairerweise muss man aber sagen, dass der Arbeitsspeicher nicht in der offiziellen QVC ("Qualified Vendor List", eine Art Kompatibilitätsliste) aufgeführt ist. Die 8GB-Variante jedoch schon. Mit der Zeit wird die Kompatibilität durch Updates sicherlich erweitert.

Unboxing

Zunächst ging es ans Auspacken. Im Vergleich zu den klassischen Intel-Desktoppackungen ist die Ryzen-Schachtel ganz schön massiv! Der Inhalt ist klassisch: Prozessor samt Gehäusesticker, der OEM-Kühler 'Wraith Spire' mit einer spezifizierten TDP-Leistung von 95W und eine Einbauanleitung. Was gleich auffällt: Die Beleuchtung des Lüfters wird über ein optionales Kabel verbunden, welches ebenso zum Lieferumfang gehört.

Inhalt der RYZEN-Verpackung Inhalt der Box RYZEN-Prozessor samt Aufkleber Der Ryzen-Prozessor nebst Gehäuseaufkleber Der Wraith-Kühler Der 'Wraith' OEM-Kühler

Für Intel-User der jüngeren Generation: Der AMD Ryzen hat weiterhin klassische Pins, der AM4-Sockel ist ein sogenannter PGA-ZIF ("Pin Grid Array-Zero Insertion Force"). Hingegen wird bei Intel seit längerem schon ein LGA, ein Land Grid Array, verwendet.

PGA-Seite des AM4-Prozessors Pin Grid Array der Sockel AM4-CPU

Installation

Beim Einbau ist (fast) nichts besonderes zu beachten. Das Gehäuse wird entsprechend dem ATX-Standard des Mainboards mit Abstandshaltern bestückt. Der Speicher wird in den richtigen Speicherbänken arretiert. Üblicherweise sind die zusammengehörenden Speicherbänke farblich gekennzeichnet, im Zweifelsfall kann für solche Fragen immer das Handbuch konsultiert werden. Die CPU wie auch der AM4-Sockel sind markiert um die Orientierung anzuzeigen. Lediglich beim Kühler ist zu beachten: Wird der OEM Ryzen-Kühler aka "Wraith" verwendet, müssen vormontierte Halterungen abgeschraubt werden. Dafür wird der Kühlkörper an den Befestigungspunkten fixiert. Eine physisch vorhandene Begrenzung verhindert ein zu starkes anziehen der Schrauben.

Der RGB-Anschluss des Kühlers wird durch eine Abdeckung geschützt. Die Installation des Kabels für die Beleuchtung erfolgt optional. Die Anschlüsse auf unserem Board für die LEDs befinden sich zwischen Backup-Batterie und Netzwerkchip, ggf. ist auch hier das Handbuch zu konsultieren.
Kleiner Wermutstropfen für Leute mit Fenster in der Gehäusewand: Es war nicht möglich die RGB-Software von Asus zum jetzigen Zeitpunkt korrekt zu installieren. Der Lüfter leuchtet derzeit dauerhaft gelb :)

Der Rest des Systems besteht aus:

  • BeQuiet Straightpower 400W
  • Samsung Evo 850 SSD (500GB)
  • temporär Crucial 8GB + G.Skill 8GB
  • temporär MSI Geforce GT710

Installierter RYZEN-Prozessor Der installierte Prozessor RGB LED-Anschluss des Wraith RGB LED-Anschluss des Wraith

Los geht's

Beleuchtung des Wraith Die Beleuchtung des Wraith kommt im dunkeln natürlich besonders gut zur Geltung, ist aber auch abschaltbar.

Natürlich interessiert uns besonders, wie der neue AMD sich schlägt. Die Aussagekraft eines synthetischen Benchmarks ist nicht zu unrecht ein Streitpunkt, sie können aber ein erster Indikator sein, wohin die Reise geht. Daher haben wir zunächst ohne optimierungen unter Windows und Linux Geekbench 4 ausgeführt. Man sieht deutlich wie sich die Ergebnisse Unterscheiden. Positiv: Schon jetzt ist der Ryzen 1700 auf dem Niveau eines i7-6700K mit 4.50 GHz.

alt Geekbench 4-Ergebnisse auf dem unveränderten System

Woraus resultiert diese Differenz? Windows kennt den Ryzen (noch) nicht gut genug. Grund ist der interne Aufbau des Prozessors. Der Ryzen 7 besteht aus zwei CPU-Komplexen. Ist ein Kern besonders hoch ausgelastet, versucht Windows die Last durch Rotation der Arbeit zwischen den Verschiedenen Kernen auszugleichen. Da Windows diese Struktur offenbar noch unbekannt ist wird fällt das Ergebnis niedriger aus, da insbesondere die Rotation zwischen den CPU-Komplexen langsamer ist als innerhalb eines Komplexes.

Die Lautstärke und die Leistung des Wraith ist für einen OEM-Kühler überraschend gut. Da keine ausreichend genauen Messsysteme zur Verfügung stehen verzichte ich an dieser Stelle auf genaue dB-Angaben und beschreibe den Lüfter als "hinreichend Leise" für einen Normalbetrieb, wenn auch ein größerer Kühler von Nöten ist um das System komplett zum schweigen zu bringen. Hier ist die Standardempfehlung die Dark Rock-Serie von BeQuiet. Ein AM4-Adapter ist bereits verfügbar. Falls dieser noch nicht beiliegt kann man es kostenlos bei BeQuiet anfordern. Andere Anbieter gehen einen ähnlichen Weg. Mit der Zeit wird der Adapter auch den Weg in die Retailboxen neueren Datums finden.

Übertakten

Dieser Abschnitt soll nicht zu tief Einsteigen, da unser Mainboard auch nur sehr rudimentäre Übertaktungseinstellungen ermöglicht.

Von verschiedenen Usern liest man bereits von Overclockingergebnissen nahe der 4.0 GHz. Wir jedoch haben uns zum Ziel gesetzt ein gutes Verhältnis von Leistung zu Stromverbrauch zu finden. Soll massiv übertaktet werden, so empfiehlt sich ein teureres Board mit erweiterten Möglichkeiten im BIOS. Die Ergebnisse bzw. benötigten Spannungen für die Vcore hängen auch von der individuellen Qualität des Prozessors ab, was mit dem Produktionsprozess zusammenhängt. Es zeichnet sich ab, dass für uns im Betrieb mit etwa 3.35-3.40 GHz praktikabel ist, so dass der Gesamtverbrauch des Systems auch unter Volllast unter 100 Watt bleibt. Ermöglicht wird das auch durch den Entfall der Grafikkarte, es wird ausschließlich per SSH zugegriffen.
Wir verwenden hier einen Vcore-Offset von -0.1150. Die Spannung scheint ab Werk sehr großzügig dimensioniert, da ohne Änderungen das System schnell die 200W-Marke knackt und auch entsprechend schnell in einen thermal throttle rennt bei entsprechender Taktanhebung.

Fazit

Gaming

Für reines Gaming ist die CPU derzeit noch nicht interessanter als ein Intel-Prozessor. Wer einen i5 oder i7 neuerer Generation sein eigenen nennt muss einen Wechsel noch nicht in Betracht ziehen, da die meisten Spiele von einer sehr hohen Single-Core-Leistung profitieren. Hier war und ist Intel in den letzten Jahren eindeutig Marktführer. Es zeichnet sich aber auf Basis verschiedener Benchmarks ab, dass der Ryzen 7 in diesem Punkt vom Fleck weg den Abstand zu Intel geschlossen hat. Man sollte auf jeden Fall Optimierungen bei BIOS, Software und Treibern beobachten. AMD wird großes Interesse daran haben auch bei den Gamern den Fokus von Intel weg zu rücken.

Workstation & Rendering

Die Ergebnisse der verschiedenen Benchmarks lassen auf den ersten Blick die Interpretation zu, dass AMD lediglich vieles aufgeholt hat und Intel nicht überholt hat. Das ist in einigen Punkten richtig. Interessanter ist jedoch eines: Bei Anwendungen die von starker parallelisierung profitieren kann der Ryzen 7 seine Stärken ausspielen. Auch wenn in einigen Situationen ein Intel i7-6900K oder i7-6950X einem Ryzen überlegen ist sollte man ein bedenken: Diese Prozessoren liegen im Preisbereich von 1.000 bis 2.000 Euro! Wenn Geld eine Rolle spielt ist der AMD definitiv in der Position, im High-End-Sektor wieder Intel-Kunden zurück zu gewinnen.

Wir dürfen gespannt sein, wie Intel reagieren und sich der Markt dieses Jahr bewegen wird.